Logo der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Fränkisches Wörterbuch (WBF)

Menu

Das Arbeitsgebiet des Fränkischen Wörterbuchs ist politisch-administrativ abgegrenzt. Es besteht aus den drei Regierungsbezirken Ober-, Mittel- und Unterfranken einschließlich des Landkreises Eichstätt. Dieser Kreis gehörte bis zur Gebietsreform 1972 zu Mittelfranken.

Die Karte zeigt die heutigen Landkreise. Kreisfreie Städte sind mit Nummern eingezeichnet. Die Zahlen bedeuten:

Mittelfranken

1 = Ansbach, 2 = Nürnberg, 3 = Fürth, 4 = Erlangen, 5 = Schwabach

Oberfranken

1 = Bayreuth, 2 = Hof, 3 = Bamberg, 4 = Coburg

Unterfranken

1 = Würzburg, 2 = Schweinfurt, 3 = Aschaffenburg

Der Name Franken

Auf dem Gebiet der drei Regierungsbezirke Bayerns, die das Wort „Franken“ im Namen tragen, sind fünf Dialekte verbreitet. Den weitaus größten Anteil an Fläche und Bevölkerung hat der Ostfränkische Dialekt.

Als „fränkisch“ werden innerhalb des deutschen Sprachraums traditionsgemäß mehrere Dialekte bezeichnet, die rein sprachlich nicht viele Gemeinsamkeiten haben. Die Benennung ist vielmehr historisch motiviert. Die fränkischen Dialekte sind in Gebieten verbreitet, die bereits vor Karl dem Großen zum Fränkischen Reich gehörten. Dazu zählen die Niederlande und Belgien. Die moderne niederländische Standardsprache beruht auf einem Dialekt, der als „Niederfränkisch“ bezeichnet wird. Das Alt-Niederfränkische dürfte weitgehend der Sprache gleichen, die die germanischen Eroberer Frankreichs im 6. Jahrhundert n. Chr. benutzten.

Frank und frei – Befreit von Steuerzahlungen

Die dünne Schicht von Kriegern, die „frank und frei“ – d.h. befreit von Steuerzahlungen – im heutigen Frankreich lebten, ging bald zu einer romanischen Sprache, dem Altfranzösischen über. Nur in ihrer Urheimat, der römischen Provinz Germania inferior und in der eroberten Provinz Germania superior blieb die Bevölkerung bei einer germanischen Sprache. Diese Sprache hatte zunächst keinen eigenen Namen, es gab nur das Adjektiv theudisk (ahd. thiudisc) „dem (niederen) Volk angehörig“. Das frühe Deutsch war also die „Sprache der einfachen Leute“. Das Adjektiv frankisk bedeutete in dieser Zeit „zum Karolingerreich gehörend“. Als sich die Enkel Karls des Großen das Reich teilten, wurde der Westen als „Westfranken“ (francia occidentalis) und der Osten als „Ostfranken“ (francia orientalis) bezeichnet.

Vom Herzogtum Franken zum Fränkischen Reichskreis

Während das romanisierte Wort français in Frankreich der Begriff für die Sprache der Franzosen blieb, engte sich der Landesname Franken im Deutschen auf das Gebiet des Herzogtums Franken ein. Dieses umfasste im Hochmittelalter ein Areal, das etwa dem heutigen Südhessen, der Pfalz und Unterfranken entsprach. Städte wie Speyer oder Frankfurt lagen nach damaligem Sprachgebrauch in Franken.

Anfang des 16. Jahrhunderts waren die alten Herzogtümer politisch bedeutungslos geworden. Territorialmächte bestanden jetzt aus größeren, kleineren und winzigen Besitzkomplexen einzelner Adelsfamilien, dazu gab es Gebiete, in denen die Kirche die weltliche Macht ausübte und freie Reichsstädte, die sich selbst verwalteten. Zwar reklamierte der Fürstbischof von Würzburg den Titel „Herzog von Franken“ für sich, doch war dies für die Zeitgenossen weitgehend nicht von Bedeutung.

In dem Bestreben, eine zentralistische Organisation seines Reichs aufzubauen, ließ Kaiser Maximilian die verschiedenen Territorien zu „Reichskreisen“ zusammenfassen. Die Kreise entsprachen in etwa den alten Herzogtümern, was Benennung und Lage betraf. Zum Fränkischen Reichskreis gehörte das Gebiet der heutigen Regierungsbezirke Ober- Mittel- und Unterfranken aber auch Hohenlohe und das südliche Thüringen. Das südliche Hessen mit den Bistümern Mainz, Speyer und Worms, das im Mittelalter zum Herzogtum Franken gehörte, schlug Maximilian zum „Kurrheinischen Kreis“, der im Volksmund als „Pfaffengasse“ bezeichnet wurde. Bis 1803 gab es diese Reichskreise, dann wurden sie, wie drei Jahre später auch das ganze Heilige Römische Reich, aufgelöst. Ein Gebiet mit Namen „Franken“ gab es nun nicht mehr.

Aufgelöst im Königreich Bayern

Die Bistümer, Adelsterritorien und freien Städte des alten fränkischen Reichskreises verleibte sich mit Unterstützung Napoleons das Königreich Bayern ein. In Bayern wirkte damals Minister Maximilian von Montgelas, der den annektierten Gebieten wie auch dem altbayerischen Territorium eine neue Verwaltungsstruktur nach dem Vorbild der französischen Departements gab. Auch die Benennung dieser „Kreise“ erfolgte im Stil der Departements. Um in der betroffenen Bevölkerung keine separatistischen und partikularistischen Gedanken aufkommen zu lassen, wurden historische Benennungen strikt gemieden und durch rein geographische Namen nach Flüssen oder Bergen ersetzt. Im Norden Bayerns entstanden so der „Untermainkreis“, der „Obermainkreis“ und der „Rezatkreis“. Von Franken war keine Rede mehr.

Franken entsteht neu unter Ludwig I

1825 starb Maximilian I., der erste König von Bayern. Der Kronprinz, der nun den Königstitel als Ludwig I. erbte, lebte damals in Würzburg. Seine Frau, Therese von Sachsen-Hildburghausen stammte aus dem südlichen Thüringen, das bis 1803 größtenteils zum fränkischen Reichskreis gehört hatte. Mit Königsberg in Franken herrschte das Herzogtum über eine Enklave im heutigen Unterfranken, die erst nach dem ersten Weltkrieg an Bayern angeschlossen wurde. 1825 kam also ein Herrscherpaar auf den bayerischen Thron, das in besonderer Weise mit Franken verbunden war.

Ludwig, der bereits acht Jahre zuvor die Entlassung von Montgelas betrieben hatte, ließ nun als König die Kreise Bayerns neu benennen: Aus dem Isarkreis wurde Oberbayern, aus dem Untermainkreis Unterfranken, aus dem Obermainkreis Oberfranken und aus dem Rezatkreis Mittelfranken. 1837 nahm Ludwig I. den Titel „Herzog von Franken“ in seine Titulatur auf.

Seither hat sich der Landschaftsname „Franken“ im Sprachgebrauch immer mehr auf die drei nördlichen Bezirke Bayerns verfestigt. Unter „Fränkisch“ wird umgangssprachlich heute ausschließlich der dort gesprochene Dialekt verstanden.

Dialekte in Franken

Den weitaus größten Teil des Gebiets der drei fränkischen Bezirke nimmt der Ostfränkische Dialekt ein, an den Rändern ragen jedoch Mundarten des Hessischen, Thüringischen, Nordbairischen und Schwäbischen herein. Begleitet von dem Merksatz „Die Hasen haben keine Hosen, aber du musst eine anziehen.“ werden die einzelnen Dialekte kurz charakterisiert.

Hessisch

Di Håse houn koi Hose äwwer du mußt ene ouzeje.

(Alzenau nördlich von Aschaffenburg)

Das Hessische gehört wie auch das Pfälzische, mit dem es unter der Bezeichnung Rheinfränkisch zusammengefasst wird, zu den westmitteldeutschen Mundarten. Diese Dialektgruppe zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Zweite Lautverschiebung nicht vollständig durchgeführt hat. Dies zeigt ein Vergleich einiger Wörter mit dem Plattdeutschen:

Standarddeutsch 

Plattdeutsch 

Hessisch 

Ich

ik

isch

Zeit

tid

zeit

Pfund

pund

pund

Apfel

appel

appel

Nur der Konsonant p ist in den rheinfränkischen Mundarten nicht von der Zweiten Lautverschiebung betroffen. Im Spessart und in der Rhön grenzt das Hessische an das Ostfränkische. Die Grenzlinie zwischen den beiden Dialekten wird auch als „Appel-Apfel-Linie“ bezeichnet.

Thüringisch

Di Hosn ham kaana Husn owä dou mußt walli oozieng.

(Ludwigstadt nördlich von Kronach)

Auch das Thüringische ist, wie das Hessische, ein mitteldeutscher Dialekt. Es gehört zusammen mit dem Obersächsischen zur Gruppe der ostmitteldeutschen Dialekte. Das Ostmitteldeutsche ähnelt von allen deutschen Dialekten der deutschen Standardsprache am meisten.

Standarddeutsch

Plattdeutsch

Thüringisch

Ich

ik

ich

Zeit

tid

zeit

Pfund

pund

fund

Apfel

appel

appel

Im Ostmitteldeutschen blieb nur Doppel-p von der Zweiten Lautverschiebung ausgenommen.

Thüringisch grenzt im Thüringer Wald mit der Appel-Apfel-Linie an das Ostfränkische. Es ist nur in einem kleinen Gebiet im Norden Oberfrankens um die Stadt Ludwigsstadt herum verbreitet.

Nordbairisch

Di Hosn hom ka husn oowa du moußt oi ååzejng.

(Dörlbach zwischen Nürnberg und Neumarkt)

Nordbairisch – auch Oberpfälzisch genannt ‒ ist ein oberdeutscher Dialekt. Die Lautverschiebung ist in allen Positionen durchgeführt. Vom Ostfränkischen und vom Mittelbairischen unterscheidet es sich vor allem durch die Vokale. Typisch sind die sogenannten „gestürzten“ Diphthonge. Im Mittelbairischen sagt man für „lieb und „gut“ liab und guat, im Norbairischen lejb und gout.

Nordbairisch ist an den östlichen Rändern Ober- und Mittelfrankens verbreitet. Es geht dort in einem breiten Streifen allmählich ins Ostfränkische über.

Schwäbisch

D‘ Hasa hebba koa Hosa owr du muaßt oa aaziacha.

(Mönchsroth bei Dinkelsbühl)

Schwäbisch gehört ebenfalls zu den oberdeutschen Dialekten. Am bekanntesten ist das Merkmal, dass st nicht nur am Wortanfang, sondern in jeder Stellung im Wort wie scht gesprochen wird. Man sagt also Schtoa und bischt für „Stein“ und „bist“.

Das im Merksatz enthaltene muaßt für „musst“ ist eine sprachgeschichtlich bedingte Ausnahme.

Schwäbisch ist im südöstlichen Mittelfranken in einem kleinen Gebiet um Dinkelsbühl verbreitet.

Unterostfränkisch

Di Hose höm ke House owr du muaßt welle ooziach.

(Rimpar nördlich von Würzburg)

Das Ostfränkische wird in drei Subdialekte unterteilt: Oberostfränkisch, Südostfränkisch und Unterostfränkisch. Das Unterostfränkische weist einige Besonderheiten auf, die in keinem der anderen Dialekte Frankens vorkommen. Hierzu gehört, dass standarddeutsch /e/ und /ä/ meist als a gesprochen wird: Kaas „Käse“, Barg „Berg“.

Auffällig ist eine grammatikalische Eigenart. Verben besitzen im Infinitiv keine Endung. Der Merksatz zeigt dies am Beispiel „anziehen“, das als ooziach endungslos realisiert wird.

Das Unterostfränkische ist im Bezirk Unterfranken, im Coburger Land und im südlichen Thüringen verbreitet. Das Coburgische ist eine Übergangsmundart zwischen Unter- und Oberostfränkisch und weist dazu einige thüringische Merkmale auf.

Südostfränkisch

Di Hoose hewe ke House ower du muaßt aa ouziage.

(Gebsattel bei Rothenburg)

Südostfränkisch kann man als einen Übergangsdialekt zwischen Oberostfränkisch und Schwäbisch bezeichnen. Die Endung -en bei Substantiven und Verben ist vokalisch wie im Schwäbischen: mr mache für „wir machen“, House für „Hasen“.  Der standarddeutsche Diphthong ei ist monophthongiert zu aa wie im Oberostfränkischen: Klaad, braat für „Kleid, breit“.

Es ist weit über die bayerische Grenze nach Westen hin verbreitet, reicht von Rothenburg ob der Tauber bis Karlsruhe und jenseits der deutschen Grenze bis Weißenburg im Elsass.

Oberostfränkisch

Di Hosn hem ka Hosn owä du mußt aa ouzieng.

(Neustadt a.d. Aisch)

Das Oberostfränkische ist stark in zahlreiche Mundarträume untergliedert. Gemeinsam ist allen diesen Räumen das monophthonghaltige Klaad, braat für „Kleid“ und „breit“. Ansonsten sind die Mundarten von Merkmalen durchsetzt, die sie mit den Nachbardialekten teilen. Die Ostgrenze des Oberostfränkischen ist schwierig zu definieren. Oberostfränkisch  und Nordbairisch gehen hier nahezu stufenlos ineinander über. Im Fall des Nürnbergischen kann man von einer Mischung 50:50 zwischen Ostfränkisch und Nordbairisch sprechen.

Nürnbergisch

Di Hosn hom ka Husn obber du moußt anni oozejng.

(Nürnberg)

Das Nürnbergische stimmt mit Klaad, braat „Kleid, breit“ mit dem Oberostfränkischen überein, mit lejb, gout „lieb, gut“ hingegen mit dem Nordbairischen. Die Mundart wird in einem Gebiet von Fürth bis Hersbruck und von Pegnitz bis zur „Fränkischen Seenplatte“ gesprochen.