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Fränkisches Wörterbuch (WBF)

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Mit der Entscheidung ein Online-Wörterbuch zu erarbeiten, geht das Fränkische Wörterbuch neue Wege in der Dialektlexikographie. Die Dialektbelege werden in einer Volltextdatenbank erfasst und sowohl grammatisch als auch semantisch bestimmt. Dabei entsteht ein Online-Wörterbuch, das die mühsame und langwierige Recherche im Archiv der Redaktion ersetzt und die Belege einer wissenschaftlichen wie nichtwissenschaftlichen Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Dieses Online-Wörterbuch ist schon jetzt, während sich die Datenbank noch im Aufbau befindet, öffentlich zugänglich. Mit dem Fortgang der Eingabe- und Aufbereitungsarbeit wird es Schritt für Schritt ergänzt und erweitert.

Der Zugang zur Datenbank des Fränkischen Wörterbuchs steht jedermann offen. Hierzu schreiben Sie bitte eine kurze Mail an fraenkisches-woerterbuch(at)fau.de, sie erhalten dann eine Rückmail mit Ihrem persönlichen Zugangscode.

Die Arbeiten an der Datenbank erlauben, wenn auch noch längst nicht abgeschlossen, inzwischen erste Auswertungen unter übergreifenden Aspekten. Die Daten dienten auch bereits Studierenden als Grundlage für Magisterarbeiten und den Erlanger Fachkollegen als Grundlage für wissenschaftliche Auswertungen.

Um die Originalbelege zu sichern, wurde im Jahr 2012 der größte Teil der Datenbestände eingescannt und in Form von Bilddateien gespeichert. Diese Digitalisierung finanzierten zum Großteil die fränkischen Bezirksregierungen.

Welche Inhalte und Funktionen bietet die Datenbank des WBF?

Die Datenbank umfasst derzeit etwa 800.000 Belege für einzelne Wörter oder Wortformen. Sie geht über das ganze Alphabet, d.h. sie enthält Wörter mit den Anfangsbuchstaben A bis Z. Die Startseite (siehe Abbildung 1) besteht aus einer Anzahl von interaktiven Bedienfeldern.

Es werden verschiedene Typen von Suchbegriffen angeboten, die der Benutzer frei eingeben kann (links, in senkrechter Anordnung). Außerdem gibt es verschiedene Sortierkriterien, die jeweils aus einer Liste gewählt werden können (rechts, in waagrechter Anordnung). Sowohl die Typen der Suchbegriffe als auch die Sortierkriterien beziehen sich auf die Spalten einer Tabelle, die die Ergebnisse von Suche und Sortierung anzeigt.

Jede Zeile entspricht einem Beleg für ein Wort in den Originaldokumenten. In den einzelnen Spalten sind Informationen über die belegten, d.h. in einer schriftlichen Quelle gefundenen Wörter eingetragen.

Beschreibung der einzelnen Spalten

Spalte

Beschreibung

Stamm

Hier eingetragen ist der Stamm bzw. die Stämme, aus denen das Wort besteht. Im Falle unseres beispielhaft gewählten Kompositums Getreideernte wäre dies das Basiswort Ernte. Derselbe Beleg erscheint an anderer Stelle in einer weiteren Zeile noch einmal, diesmal für das Lexem Getreide. Zweck dieser Doppelaufnahme ist, dass man sich mit dem „Stamm“ als Suchkriterium alle Wörter, die das Element Getreide oder das Element Ernte enthalten, zusammensortieren kann.

Grundform

Hier erscheint das in der Spalte „Originaltext“ wiedergegebene Wort in einer soweit wie möglich an das Standarddeutsche angenäherten Schreibweise und wird in der grammatikalischen „Nennform“ angegeben. Dies ist beispielsweise bei Substantiven der Nominativ Singular, bei Verben der Infinitiv. Die Grundform entspricht in etwa dem Stichwort in herkömmlichen, gedruckten Wörterbüchern.

Bedeutung

Hier erscheint eine möglichst kurze und prägnante Umschreibung des als Grundform angegebenen Begriffs.

Grammatik

In abgekürzter Schreibweise wird zunächst die Wortart, dann nach einem Leerzeichen die Flexionsform des betreffenden Worts angegeben. Im Fall von Getreideernte handelt es sich um ein Substantiv (S) mit femininem Genus (f). Es wird in dem Satzzusammenhang des in der Spalte „Originaltext“ wiedergegebenen Belegs im Nominativ (Nom) Singular (Sg) gebraucht [Verweis WBF-Datenbank/Listen/Grammatik]

Originaltext

Hierin wird der ganze Text, der als Antwort auf eine Frage von der Gewährsperson eingetragen wurde, möglichst originalgetreu wiedergegeben. Es werden auch die Zusatzzeichen berücksichtigt, z. B. Striche über Vokalzeichen zur Veranschaulichung der Länge des Vokals.

Umschrift

Der gesamte Originaltext (oft ein ganzer Satz) wird in einer standardnahen Schreibweise wiedergegeben.

Ort

Hierin ist der Name der Ortschaft oder Stadt eingetragen, für dessen Mundart der betreffende Beleg gilt.

Planquadrat

Diese Spalte gibt die geographische Herkunft des jeweiligen Belegs an. Die hier verzeichneten Siglen beziehen sich auf eine Karte, auf der das gesamte deutsche Sprachgebiet entlang von Längen- und Breitengraden in Planquadrate von ca. 70  Km2 Fläche unterteilt ist. Der Buchstabe bezieht sich auf die Hochachse (Nord-Süd), die Zahl auf die Längsachse (Ost-West) dieser Einteilung. Die Ziffer nach dem Komma verfeinert die Positionierung, indem jedes Planquadrat noch einmal in neun kleinere Quadrate mit je ca. 8 Km2 unterteilt wird. In einer späteren Überarbeitungsstufe werden die traditionellen Koordinaten durch die entsprechenden Georeferenz-Daten ergänzt werden.

Kommentar GP

Hier werden gegebenenfalls zusätzliche Bemerkungen der antwortenden Gewährsperson wiedergegeben, die zum Teil eine inhaltliche Präzisierung des Belegs, z.B. „nur für Roggen, Weizen und Gerste, nicht für Hafer“ oder eine Einschränkung der Geläufigkeit des Worts angegeben, z.B. „sagen nur die Jungen, sonst hieß es Kornernte“.

Kommentar Bearbeiter

Einerseits sind hier Angaben zur Validität des Belegs wie „schlecht leserlich“ oder „Wortart nicht sicher“ zu finden, andererseits auch Querverweise auf andere Wörterbücher, die Aufschluss über Etymologie oder Verbreitung des Belegworts geben.

GP

Eingetragen ist eine laufende Nummer, die immer dann höher als 1 ist, wenn aus ein und demselben Planquadrat mehrere Fragebögen der gleichen Serie beantwortet an die Wörterbuchredaktion gesandt wurden.

Bogen

Sie enthält die Seriennummer des Fragebogens, auf dem die Antwort eingetragen ist. Es wurden 123 unterschiedliche Bögen in Auflagen zwischen 200 und 1200 Exemplaren versandt.

Frage

Hier steht die Nummer der im betreffenden Fragebogen gestellten Frage, wie sie auf dem Vordruck erscheint. Jeder Bogen enthält zwischen 30 und 60 einzelne Fragen.

Aktionen

Die letzte Spalte (ganz rechts) enthält nur Bedienelemente. Klickt man auf das Symbol „Stift und Papier“, erscheint ein Bild des betreffenden Belegs im Original. Diese Bilder zeigen den Ausschnitt des Bogens, auf dem der Beleg eingetragen wurde. Hier kann man auch den vorgedruckten Text der Frage lesen, der in Ergänzung zu der Angabe in der Spaltung „Bedeutung“ Rückschlüsse auf die Semantik der Antwort ermöglicht. Die Bedienelemente „+“, „x“ und das grüne Häkchen sind nur für WBF-Mitarbeiter verfügbar. Unter „S“ sind die Sozialdaten der Gewährsperson, von der die jeweilige Antwort stammt, abrufbar. 

Wie arbeitet man mit der Datenbank des WBF?

Das Online-Wörterbuch bietet viele unterschiedliche Möglichkeiten der Datenabfrage. Wir stellen an dieser Stelle drei Möglichkeiten exemplarisch vor.

1. Suche nach einem Mundartwort, dessen Schreibweise nicht bekannt ist.

Angenommen, der Benutzer kennt ein Wort, das so ähnlich klingt wie Katerruh. Er erinnert sich, dass es für den Freiplatz beim Fangenspiel gebraucht wurde.

Am einfachsten ist die Suche in der Spalte „Grundform“. Der Benutzer gibt auf der Startseite in dem Fenster „Grundform“ die Zeichenkette Katerruhe ein. Er bekommt aber kein Ergebnis, d.h. er erhält die Antwort „Ihre Suche nach Grundform Katerruhe ergab leider keine Treffer“. Offenbar enthält die ganze Datenbank keine Grundform, die so geschrieben wird. Da der Benutzer weiß, dass das gesuchte Wort etwas mit dem Fangenspiel zu tun hat, kann er in einem zweiten Versuch in dem Suchfenster „Bedeutung“ das Wort Fangenspiel eintragen, die Spalte „Grundform“ aber leer lassen. Als Ergebnis erscheint nun eine lange Liste mit Wörtern, die etwas mit dem Fangenspiel zu tun haben. Scrollt man die Belege durch, findet man auch solche mit dem Lemma Ruhe, und darunter einige, deren Grundform Gute Ruhe oder Katzenruhe lautet. Unter diesen sind auch welche, deren Originaltext Guda Ruh, Guttäru oder Katzaruh lautet. Ganz offensichtlich gehört Katerruh hierher und ist eine weitere, abgeschliffene und verballhornte Variante zu Gute Ruhe was ursprünglich bedeutet: „Platz, an dem es erlaubt ist, sich auszuruhen“.

2. Suche nach Mundartwörtern, die eine bestimmte Wortbildungsstruktur aufweisen.

Zusammenstellungen dieser Art werden vor allem von linguistischen Fachkollegen benötigt. Typisch für das Fränkische sind Ableitungen kollektiver Substantive mit der Endung -ig. Ganz selten gibt es die auch im Schriftdeutschen, z.B. Reisig. Im Fränkischen existieren sehr viele solche Konstruktionen, z.B. Erdäpfelkräutig „Kartoffelkraut“, Bützig „Küchenabfälle, die beim Zubereiten von Gemüse entstehen“, Gschmarrig „unsinniges Gerede“…

Man kann sich durch Eingeben der Zeichenkette *ig$ (meint: „-ig nach irgendetwas, danach Wortende“) alle Belege für Wörter, die auf -ig enden, heraussuchen lassen. Dann werden aber auch die vielen Adjektive auf -ig (fertig, haarig, zeitig…) ausgegeben. Das kann man vermeiden, indem man als zusätzliches Suchkriterium für die Spalte „Grammatik“ die Buchstaben Sn einträgt. So wird die Suche auf Substantive mit neutralem Genus eingeschränkt.

3. Suche nach Mundartwörtern aus einem bestimmten Ort

Nicht selten gibt es in einzelnen Gemeinden Frankens Bestrebungen, die lokale Mundart durch ein eigenes Wörterbuch zu dokumentieren. Material dafür kann durch die Datenbank bereitgestellt werden, indem der Ortsname als Suchkriterium eingeben wird. Für die Sortierung bietet sich „Grundform“ an. Man erhält auf diese Weise den Grundstock für ein Lokalwörterbuch, aus dem man auswählen und den man mit eigenem Material ergänzen kann.